Beziehungen heute – ehrlich gesagt

Veröffentlicht am 21. Jänner 2026 um 16:58

Kennenlernen zwischen Dopaminkick und Ghosting

Datest du schon – oder denkst du noch darüber nach, ob du zu viel oder zu wenig bist?


Es ist nicht leicht zu daten, geschweige denn, eine echte Beziehung aufzubauen. Viele Bekanntschaften ersticken schon im Keim – irgendwo zwischen „Erzähl mal was von dir“ und „Schick mal ein Foto“.

Auf Dating-Apps wirst du fast nur nach deinem Aussehen bewertet – manchmal sogar regelrecht entwertet. Aber wie soll man heute überhaupt noch jemanden wirklich kennenlernen?
Früher ging man am Wochenende einfach weg. In dieselben Lokale, ohne große Planung. Ein Blick, ein Lächeln – und irgendwann hatte man den Mut, jemanden anzusprechen.

Heute wirst du von völlig Fremden auf Snapchat geaddet. Man trifft sich nie, schickt sich stattdessen Fotos von Körperteilen, verbringt Tage mit Träumen und Lovebombing – und plötzlich ist Funkstille.

Man versucht sich neu zu ordnen. Und dann sind sie da, diese Fragen:

Bin ich zu viel?
Bin ich nicht genug?

Man geht jedes Wort immer wieder durch, denkt nach, analysiert – und bleibt doch mit dem selben Gefühl zurück: ein großes Fragezeichen im Kopf.

Liebe wird seit unserer Kindheit durch Filme und Märchen idealisiert. Die Prinzessin wartet auf ihren Prinzen auf dem weißen Pferd. Diese Vorstellung ist heute natürlich überzogen – aber wo sind trotzdem Anstand, Charakter und Ehrlichkeit geblieben?
Bitte und Danke gelten plötzlich als altmodisch, fast schon erdrückend – nicht mehr zeitgemäß in der neuen Erziehung.

Steuern wir auf eine egoistische Gesellschaft zu, die Respektlosigkeit als „Grenzen setzen“ und „Selbstschutz“ verkauft?
Wenn ich klar sage, was mir wehtut oder was ich nicht möchte, schütze ich mich selbst – und bin gleichzeitig fair zum anderen. Erst wenn jemand weiß, wo der Fehler lag, kann er darüber nachdenken, wachsen und sein Verhalten ändern – vorausgesetzt, er oder sie ist überhaupt bereit, das anzunehmen und zu reflektieren.

Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen:
Jemandem etwas vorzugaukeln, während man zehn andere warmhält, nur um die Angst vor dem Alleinsein nicht zu spüren und sich ständig einen Adrenalinkick zu holen – das ist nicht nur respektlos, sondern auch ein Zeichen von wenig Selbstwertgefühl. 

In unserer Gesellschaft wird es immer normaler, sich alles offen zu halten – und dabei Menschen wie Optionen zu behandeln statt Gefühle zu zeigen und echte Gespräche zu führen.

Es ist einfacher, jemand Neuen zu suchen, der dir kurz das Gefühl gibt, großartig zu sein, als an einer Beziehung zu arbeiten, die dir innerlich mehr gibt als jedes Kompliment von einem Fremden.

Beziehungen enden, ja.
Liebe vergeht, ja.
Jeder macht Fehler, ja.

Aber bitte mit Anstand, Würde und Respekt.
Eine Entschuldigung macht dich nicht kleiner.
Sich zu reflektieren macht dich nicht kleiner.
Reue zu zeigen macht dich nicht schwach – sondern menschlich.

Können wir bitte wieder normalisieren, zu fühlen? Mehr zu fühlen? Denn genau das macht uns lebendig. Nicht nur unser Äußeres pflegen, sondern auch unsere Persönlichkeit.
Wie ein altes Sprichwort sagt: Schönheit vergeht, Tugend besteht.

Also ihr Lieben: Ein bisschen Selbstreflexion schadet nicht.
Wo steht ihr?
Habt ihr Ähnliches erlebt?

 

Ich freue mich auf eure Mails, Kommentare und Geschichten.

Eure Ornella